Olympia-Aus für Hamburg

Das Votum der Hamburger: eindeutig. Karikatur: Marcel Schürmann

Das Votum der Hamburger: eindeutig. Karikatur: Marcel Schürmann

Ende November stimmten die Hamburger Bürger ab, ob sie für oder gegen eine Bewerbung der Stadt Hamburg für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2024 sind. Mit einer knappen Mehrheit stimmten die Wähler überraschend gegen eine Bewerbung.

Von Marcel Schürmann

Ließen die Umfragen im Sommer noch auf etwa 70 Prozent pro Olympia hoffen, sind Politiker, Sportler, Funktionäre und Befürworter nach dem Referendum in Hamburg schwer enttäuscht. Allen voran Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD): „Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber trotzdem klar.“ Nur 48,4 Prozent der Wähler stimmten letztendlich für Olympia. Es hat nicht geklappt mit einer deutschen Bewerbung – wieder einmal.

Für Deutschland zweite Absage binnen zwei Jahren

Bereits München war vor zwei Jahren beim Referendum um die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 gescheitert. Hier lag die Wahlbeteiligung lediglich bei 38 Prozent. In Hamburg – und das ist das Erfreuliche – beteiligten sich immerhin 50 Prozent aller Wahlberechtigten am Referendum. Insgesamt ist es schon bereits die sechste (!) Absage von Olympischen Spielen in Folge.

Mehrere Gründe haben zum Olympia-Aus beigetragen. In erster Linie ging es den Hamburgern wohl um den finanziellen Aspekt. Bis zur Entscheidung war nicht genau geklärt, wie viel von den Gesamtkosten der geschätzten 11,2 Milliarden Euro die Stadt Hamburg selbst hätte tragen müssen. Nach dem „Nein“ der Bürger ließ Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verlauten: „Wir hätten auch dafür eine Lösung gefunden.“

Zudem hätten auch die viel zitierte Flüchtlingsproblematik und die jüngsten Terrorangriffe in Paris und die daraus resultierenden Sicherheitsbedenken zum Olympia-Nein beigetragen, wie Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), vermutet.

Kein Vertrauen in das Olympische Internationale Komitee

Nach dem FIFA-Skandal mit Korruptionsvorwürfen und der Offenlegung der DFB-Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 im eigenen Land gibt das Hamburger Votum das Signal, dass es den Menschen auch an Vertrauen für das Olympische Internationale Komitee (IOC) mangelt.

Der große Aufwand für die Kampagne, um die Bürger von Olympia zu begeistern, war umsonst. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, beliefen sich die Kosten für die Kampagne auf geschätzte 10 Millionen Euro. „Für Sportdeutschland stellt die Entscheidung einen enormen Rückschlag und Tiefschlag dar“, befand der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) Alfons Hörmann und sprach zudem von einer vertanen Chance für Hamburg – sportlich wie wirtschaftlich.

Deutsche Sportler schwer enttäuscht

Neben den Funktionären sind es vor allem viele deutsche Sportler, die jetzt Trübsal blasen: „Alle schreien nur noch nach Fußball, während Leichtathletik, Schwimmen und Turnen immer weiter an Bedeutung verlieren“, sagte der enttäuschte Zehnkampf-Europameister Pascal Behrenbruch (30). Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz ergänzte: „Die Länder, die sich in der Vergangenheit beworben haben, haben in den folgenden Turnieren immer einen großen Schwung mitbekommen.“ Dieser bleibt für die deutschen Sportler 2016 bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro aus.

Für Deutschland wird es nach der abermaligen Ablehnung der Bevölkerung für die nächsten Jahre vorerst wohl der letzte Bewerbungsversuch für die Ausrichtung eines Olympischen Turniers gewesen sein. Olympia adé.