Ist Alkohol ein Stimmungsbringer oder Stimmungskiller?

Es ist "normal" geworden große Mengen an Alkohol zu konsumieren. Foto: pixaby

Es ist normal geworden, große Mengen an Alkohol zu konsumieren. Foto: pixabay

In der Partykultur der heutigen Jugend scheint der Alkohol fest verwurzelt zu sein. Doch warum ist das so? Und was heißt es genau?

Ein Kommentar von Melina Seiler

Häufig läuft es doch genau so ab:  Jugendliche und junge Erwachsene beginnen den Abend einer Party oder eines Discobesuchs schon beim  „Vorglühen“ zumeist bei Freunden Zuhause oder in der Stadt. Dabei geht es darum, mit möglichst viel Alkohol – je mehr Promille, desto besser – in Stimmung zu kommen. Mit der sogenannten guten Stimmung, die nichts anderes heißt, als schon vor Beginn des eigentlichen Events betrunken zu sein, geht es dann zur Party oder in die Disco. Spätestens dort werden auch die übrigen jungen Menschen ihre „Stimmung“ mit Alkohol puschen.

Wenn der Alkohol in der Blutbahn seine Wirkung zeigt,  wird es zunächst heiter. Die Betroffenen fühlen sich frei und unbeschwert. Es wird wild getanzt, laut und übertrieben gelacht, die Selbstkritik schwindet. Nicht selten kommt es dann zu unangenehmen „Anmachen“, die direkt körperlich aufdringlich werden. Entweder werden diese sofort abgelehnt oder aber zwei ähnlich stark alkoholisierte Personen liegen sich schon bald küssend in den Armen. Der Abend kann dann auf verschiedenen Weisen enden:  Auf dem Klo, wo man sich das Abendessen noch mal „durch den Kopf gehen lässt“, mit dem Ergebnis, dass man möglicherweise aus der Lokalität rausgeschmissen wird; mit der Partybekanntschaft im Bett oder bei zu viel Alkohol gar mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus oder Rinnstein.

Warum funktioniert keine Party ohne Alkohol?

Man kann jetzt sagen, dass sei eine übertriebene Beschreibung, die auch mit Sicherheit nicht auf jeden zutrifft, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen ist. Wer sich beim sogenannten „Feiern gehen“ mal umschaut, ob nun bei sich selbst, den Freunden oder Fremden, wird mit Sicherheit solche oder ähnliche Szenarien schon beobachtet haben.

Aber warum das Vortrinken? Warum funktioniert scheinbar keine Party ohne Alkohol beziehungsweise ohne den Vollrausch? Wie kann es sein, dass das Trinken zum Event wird und das Tanzen in der Disco oder das Zusammensitzen mit Freunden in den Hintergrund rückt? Auch junge Erwachsene lassen lieber gleich ihr Auto Zuhause stehen und nehmen teure Zug- oder Taxifahrten sowie lange Wartezeiten am Bahnhof in der Nacht in Kauf, anstatt für einen Abend mal nichts zu trinken.

Schon vor einer Party wird viel Alkohol getrunken. Foto: pixaby

Schon vor einer Party wird viel Alkohol getrunken. Foto: pixabay

Frei fühlen und Sorgen vergessen

Die Antworten fallen leider wie folgt aus. Es ist „normal“ geworden, diese Mengen an Alkohol zu konsumieren. Sonst macht es einfach keinen Spaß. Man möchte sich frei fühlen und die Sorgen vergessen. Einfach mal aus dem Alltag ausbrechen. Ohne Alkohol ist man zu schüchtern, um fröhlich zu tanzen oder das andere Geschlecht anzusprechen. Es geht auch häufig darum, seine Grenzen auszutesten und die Clique zu beeindrucken.  Sinnvollere Antworten sind nicht zu finden. Eine traurige Wahrheit.

Zu beachten ist, dass es sich bei den Alkoholexzessen keineswegs nur um eine Frage der sozialen Stellung oder dem Bildungsgrad handelt. Nicht nur sozialschwache Jugendliche finden sich in einem Kreislauf, in dem der Alkohol die eigentliche Party ist, wieder. Auch bei anderen Jugendlichen wird die neueste „Kotzgeschichte“ vom Wochenende zum Highlight der folgenden Woche. Es ist nicht immer nur das familiäre Umfeld, weshalb man mit Alkohol in Kontakt kommt. Es ist auch die persönliche Einstellung jedes Einzelnen zum Alkohol, und das ist eine bedauerliche Entwicklung. Hat die Jugend vielleicht verlernt, anders Spaß zu haben?

Aufklärung und Prävention sind weiterhin wichtig

Keiner verlangt der Jugend ein abstinentes Leben ab. Es geht doch viel mehr darum, dass auch Minderjährige hochprozentigen Alkohol konsumieren und gezielt den Rausch suchen. Gegen ein oder zwei Bier hat niemand etwas einzuwenden.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt zwar in ihrer Studie aus dem Sommer 2014, dass seit 2008 ein Rückgang derer zu verzeichnen ist, die sich in den Rausch trinken. Trotzdem wird insgesamt noch immer deutlich zu viel konsumiert. Besonders die Werte der riskanten und schädlichen Alkoholmengen seien noch immer deutlich zu hoch. Somit ist die Arbeit im Bereich der Aufklärung und Prävention noch lange nicht abgeschlossen. So arbeitet zum Beispiel die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit!“ weiterhin daran, Jugendliche und junge Erwachsene über Alkohol und dessen Folgen zu informieren.