„Gefrierprämie“ Baby – Frauen macht Karriere

Foto: Julia Glaus

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Wer als Frau bei Apple oder Facebook arbeitet, der kann sich jetzt neuerdings seine Eizellen auf Kosten der Unternehmen einfrieren lassen. Das Ganze nennt sich Social Freezing. Die Botschaft dahinter: „Frauen macht Karriere.“

Von Julia Glaus

Den Kinderwunsch aufschieben und dafür alle Energie in die Karriere investieren, so ist der Wunsch von vielen Unternehmen, wenn es um ihre Mitarbeiterinnen geht. Nicht jede Frau will sich den Kinderwunsch im gebärfähigen Alter nehmen lassen. Daher haben Apple und Facebook nun die „Gefrierprämie“ eingeführt: Die beiden Giganten zahlen den Frauen das Einfrieren ihrer Eizellen.

Scheinheilige Unterstützung

In der Tat klingt das nach der perfekten Lösung, damit auch Frauen mit Kinderwunsch die Karriereleiter, genau wie ihre männlichen Kollegen, hochklettern können. Es klingt nach Emanzipation und Gleichberechtigung, richtig? Falsch! Das Kinderkriegen wird von den Unternehmen aus einer rationalen Sicht betrachtet. Das Angebot klingt auf dem ersten Blick sehr verlockend für junge Frauen, die in ihrem Job Erfolg haben wollen, ja sogar mal Chefpositionen besetzen möchten. Man denkt sich wie familien- und frauenfreundlich dieses Unternehmen doch sei, dass eine spätere Mutterschaft unterstützt. Und ich bin ehrlich, auch ich würde mich wahrscheinlich im ersten Moment für so ein Unternehmen entscheiden. Aber diese Idee ist trügerisch. Frauen ohne Kinder gelten in einem Unternehmen als Bereicherung. Diese Unternehmen wollen zurück zu der veralteten Sichtweise: Kind oder Karriere.

Windeln und Strampler frei Haus

Wer garantiert uns, dass es 10, 20 Jahre später einfacher wird, Kind und Job unter einem Hut zu bringen? Die Leute sprechen so euphorisch darüber, dass man fast den Glauben bekommen kann, dass ein paar Jahre später ein Kind perfekt ins Jobleben passen würde. Ja, dann hat der Arbeitsgeber nichts mehr dagegen und verteilt Windeln und Strampler frei Haus. Die Frau mit Kind kann natürlich auch ihre tolle Chefposition behalten und das nur, weil sie vor Jahren ihre Schwangerschaft auf Eis gelegt hatte – und das ist wahrsten Sinne des Wortes. Reine Utopie!

Sozialer Druck

Stellen wir uns vor wir würden gerade unerfahren in einen großen Konzern kommen, welcher uns die Möglichkeit anbietet, unsere Eizellen einfrieren zu lassen. Das Ganze um uns voll und ganz auf den Job konzentrieren zu können. Uns wird das Blaue vom Himmel geholt und es werden uns wahnsinnige Karrierechancen zugesichtert. Würden wir dann nicht über eine solche Prozedur nachdenken? Karriere machen, Erfolg haben, viel Geld verdienen. Frauen geraten unter sozialen Druck. Sie werden quasi zu einer späten Schwangerschaft aufgefordert.

Hormontortur

Wir vergessen dabei ganz, dass so ein Eingriff nicht mal eben in der Mittagspause erledigt werden kann. Es ist ein monatelanger Prozess. Die Frauen müssen sich tagelang immer wieder Hormone spritzen. Dieser Überschuss lässt die Frauen häufig an Schmerzen und Übelkeit leiden. Darauf folgt eine Operation, in der die Eizellen entnommen werden. Und falls es da nicht klappt, noch eine und noch eine und noch eine. Soll Frau sich wirklich so etwas antun, nur damit ein wirtschaftliches Problem gelöst werden kann? Und nur zur Info: Die Garantie auf eine Schwangerschaft gibt es nicht.

„Work-Freezing“

Social freezing ist ein falscher Ansatz. Wovon wir uns wirklich lösen müssen, ist das Verständnis, dass ausschließlich in jungen Frauen wirtschaftliches Potential versteckt ist. Die Lebensspannenpsychologie nach Balters besagt, dass Menschen von Geburt an bis zum hohen Alter ihre unmittelbare Umwelt im Einklang mit altersspezifischen Aufgaben und Bedürfnissen beeinflusst und verändert. In der zweiten Lebenshälfte sind Menschen viel entwicklungsbereiter. Man sollte sich unbedingt diese Dinge zur Kenntnis nehmen. Die Frauen und auch die Männer sollen die Chance bekommen sich in der Familienzeit zurücknehmen zu können, um danach wieder voll und ganz durchzustarten. „Work-Freezing“ ist der Begriff, über den wir sprechen sollten.