Es weihnachtet sehr – rund um den Globus

Nicht überall verbindet man Walnüsse und Kerzen mit Weihnachten. Foto: Merve Canatan

Nicht überall verbindet man Walnüsse und Kerzen mit Weihnachten. Foto: Merve Canatan

Wenn die spätherbstliche Dunkelheit von Lichterketten vertrieben wird und die Weihnachtsmärkte ihre Pforten öffnen, wissen wir, es ist soweit: Der Advent steht vor der Tür. Doch wie bereitet man sich in anderen Ländern auf Weihnachten vor?

Von Merve Canatan

Im Nahen Osten ähneln viele Bräuche denen der Armenier. Die christlich geprägte Nation im Kaukasus hat sehr eigene Traditionen, was Weihnachten angeht. Es wird dort erst sehr viel später gefeiert: Am 6. Januar treffen auf großen Familienfesten meist auch die entferntesten Verwandten aufeinander. Ein besonderes Brauchtum ist das Werfen von Granatapfelstücken an die eigene Haustür. Das soll Glück bringen. „Den Brauch mit den Granatäpfeln finde ich am familiärsten. Es gibt mir das Gefühl von Zusammenhalt und bedeutet Glück und Liebe“, sagt Sera Muratyan. Sie selbst ist Armenierin, lebt aber in Istanbul.

Gar nicht so anders

In Skandinavien gibt es ähnliche Bräuche wie in Deutschland. Auch dort brennt die erste Kerze am ersten Advent. In Finnland wird am 23. Dezember um 12 Uhr mittags in Turku, der ältesten Stadt des Landes, der Weihnachtsfrieden ausgerufen. Außerdem besuchen die Finnen an diesem Tag die Gräber und schmücken sie weihnachtlich. Am Abend und an Heiligabend finden die Familien zusammen und es wird gemeinsam gegessen. Auf der Speisekarte stehen hauptsächlich Kartoffel-, Karotten- und Rübenaufläufen sowie auch Lamm- und Putenfleisch.

Krippenspiele und Fruchtpunsch

In Mexiko gibt es ein vorweihnachtliches Feiern namens „Posadas“, welches am 16. Dezember beginnt und neun Tage andauert. Jeder Tag bedeutet einen Monat der Schwangerschaft von Maria. An diesen Tagen kommt die gesamte Familie zusammen und man bereitet typisch mexikanisches Essen vor. Man spielt Krippenspiele, mischt Fruchtpunsch und singt Lieder. Die Mexikanerin Ana Violante sagt: „Ich liebe das Gebäck, das jedes Jahr von meiner Oma gebacken wird. Darauf freue ich mich am meisten.“ Traditionell steht der Weihnachtsbaum erst am 24. Dezember und am Morgen besucht die ganze Familie die Kirche. Der 25. und 26. Dezember sind, anders als bei uns, normale Werktage.

Gebackene irische Glücksbringer

Irland zelebriert Weihnachten mit vielen Dekorationen und Lichtern. Adventskerzen und Adventskranz gehören selbstverständlich dazu. Das Weihnachtsessen fällt traditionell üppig aus. Gerösteter Schinken, Truthahn, Rosenkohl mit englischem Senf oder Granatapfel-Saucen kommen auf den Tisch. Ein Highlight ist der Plum Pudding. Dieser ist kein Pudding, sondern ein Gebäck mit Guinness und Whiskey. In dieses Gebäck werden kleine Gegenstände wie Ringe eingebacken. Diese sollen dem Finder in verschiedensten Lebenslagen als Glücksbringer und Helfer dienen: Ein winziger Anker steht für die sichere Heimkehr. Eine Silbermünze soll Reichtum bescheren und eine kleine Wünschelrute gilt als Glücksbringer.

Besinnlichkeit zwischen Brahma, Shiva und Vishnu

Indien ist ein hinduistisch geprägtes Land und feiert Weihnachten so gut wie gar nicht, aber die Einkaufszentren sind weihnachtlich dekoriert und geschmückt. Einen Monat vorher findet das Lichterfest „Diwali“ (dt. Die Reihe der erleuchteten Lampen) statt. Das kommt unserem Weihnachtsfest am nächsten. Geschäfte, Häuser, Tempel und Straßen werden mit Öllampen geschmückt. Die Nacht wird dann mit einem anschließenden Feuerwerk zum Tag gemacht. Die Bedeutung des Festes ist, dass der Mensch nicht nur die äußere Welt erleuchten will, sondern auch seine eigene innere Welt. Diwali steht außerdem für Neubeginn. Akshita Khana lebt in Deutschland, ihre Familie in Indien. „Ich liebe Weihnachten, aber die eigenen Bräuche sind schon etwas anderes“, sagt sie.

„Weihnachtsmann“ auf Chinesisch

Die Chinesen interessiert es Jahr für Jahr stärker, die Straßen, Einkaufszentren, öffentlichen Plätze und Einkaufsstraßen weihnachtlich zu dekorieren. Zwar gilt das Land als laizistisch – das heißt, knapp die Hälfte der Bürger sieht sich als religionslos –, jedoch werden christliche Brauchtümer gerne übernommen. In manchen Restaurants tragen die Bedienungen Weihnachtsmützen. Und sogar der Weihnachtsmann hat einen eigenen Namen: Shengdan Laoren.

Für die Chinesen ist der Zeitpunkt an Mitternacht am 31. Dezember allerdings noch wichtiger. Die Glocken an berühmten Tempeln stehen sinnbildlich für den Wunsch nach Harmonie. „An Silvester werden rote Beutel mit Geld und Süßigkeiten an Familienmitglieder verschenkt. Je enger die Verwandtschaft ist, desto mehr bekommt man. Und das Rot steht für Glück“, ergänzt Kalin Ho.