Der Lack ist ab

Im Fokus: Abgasmanipulation. Bild: Carolin Miling

Im Fokus: Abgasmanipulationen. Karikatur: Carolin Miling

Die Automobilindustrie ist in der Krise. Es sind nicht nur die Kunden, welche nun nicht das gewünschte umweltschonende Auto vor der Tür stehen haben. Auch viele Aktionäre sehen den Wert ihrer Volkswagen-Aktien in den Keller rauschen – und Autohäuser verlieren ihren guten Ruf. Ein Kommentar.

Von Carolin Miling

Die vorsätzliche Täuschung des VW-Konzerns durch die Verfälschung ihrer Abgaswerte bei über elf Millionen betroffenen Fahrzeugen ist indiskutabel. In Testsituationen ließ eine Software die Wagen effizienter fahren, als es im alltäglichen Gebrauch möglich gewesen wäre. Durch diese Software aktivierte sich ein Modus, der das Auto weniger Abgase ausstoßen ließ.

Dies ist nicht das erste Ungeschick eines Automobilkonzerns. Beispielsweise produzierte General Motors (GM) vor zwei Jahren defekte Zündschlösser – was zu 124 Todesfällen und 275 Verletzten führte. Obwohl GM das Problem kannte, fertigten sie weiterhin Wagen mit diesen Schlössern. Weitere Todesopfer kalkulierte man ein. Anders als Volkswagen rief GM keine Autos zurück – und wurde dieses Jahr zu einer Strafe von 900 Millionen Dollar verurteilt.

Auch kein unbeschriebenes Blatt: Toyota

VWs japanischer Konkurrent Toyota verkaufte Autos, in welchen sich der Airbag bei einem Unfall nicht öffnete. Bei tausend anderen Autos klemmten die Gaspedale. Toyota musste 1,2 Milliarden Dollar Strafe zahlen.

Trotz der finanziellen Folgen ist sich der Börsenexperte Dirk Müller sicher, dass VW durch diesen Skandal nicht insolvent gehen wird. „Der jährliche Nettogewinn von Volkswagen beträgt zehn Milliarden Euro, in ihrer Kasse liegen 40 Milliarden. Natürlich werden sie das stemmen können!“, sagte Müller im Interview mit Anke Plätterner bei Phoenix.

Zweierlei Maß

Zu bedenken ist, dass es in den USA zum Volkssport geworden ist, Extras – sogenannte Showkits – einzubauen. Dadurch wird beim Gasgeben tiefschwarzer Ruß aus dem Auspuffrohr gestoßen. Umweltschonend und schadstoffarm sieht anders aus. Wäre es nicht richtig, wenn die Amerikaner erst einmal ihre eigene, zehn Mal höhere Umweltverschmutzung überdenken würden, bevor sie VW auf Schadensersatz verklagen?

Doch auch die beiden VW-Töchter Audi und Porsche sollen laut Spiegel Online von der Manipulation betroffen sein. Eine Bestätigung dieses Verdachts wäre fatal. Dennoch ist anzuzweifeln, ob für Porschefahrer das Umweltbewusstsein überhaupt an erster Stelle steht.

Wie will VW aus diesem sich immer weiter zuspitzenden Skandal herauskommen? Reichen kostenlose Rückrufaktionen? Möchten Kunden, die über den Tisch gezogen wurden, „ihren“ Volkswagen nach einer Ausbesserung überhaupt noch zurück? Diese Fragen werden uns sicher noch einige Zeit beschäftigen.